Was ich gegen die ProChristen habe
29. März 2009
Ja! Das in der Tradition von Billy Grahams Kreuzzügen stattfindende ProChrist hat es auch in’s traurige Chemnitz geschafft! Und es ist kaum zu übersehen. Wenn ich morgens in den Bus steige: der ProChrist-Aufkleber springt ins Auge. Wenn ich dann durch die Straße gehe: jede zweite Plakatwerbung stammt wirbt für ProChrist. Und die Container der Hoffnung - eine weitere Werbemethode mit dem Anstrich gesellschaftlichen Aktionismus’ (diese Container stehen nämlich prominent plaziert in der Innenstadt) - nerven schon seit Monaten.
Dass es mich nervt, hat nicht den Grund, dass ich ein militanter Atheist wäre. Im Gegenteil: Religion halte ich nicht für ein sinnloses Relikt des dunklen Mittelalters, sondern für Sinn. Doch eben für einen persönlichen Sinn; und das schließt für mich vor allem ein, dass Mission im öffentlichen Rahmen verboten sein muss. Werbekampagnen, zu einem nicht wesentlichen Teil (genauer zu 23,35%, was 300.000€ entspricht) aus öffentlichen Mitteln finanziert sind, kann und darf es nicht geben. Vor allem dann, wenn die Kampagne so aufdringlich ist und die Aktion solch zweifelhafte Ursprünge hat.
Doch die Kraft und die augesetzte Frische, mit der ProChrist daherkommt, verrät viel über die Sehnsucht der deutschen Christen, womit ich nicht die Deutschen Christen meine. Es verrät die Obama-Sehnsucht, die Sehnsucht nach Glanz; aber nicht nach barockem Glanz, sondern nach modernem. Die Sehnsucht, Kraft im Glauben und in der glaubenden Masse zu spüren. Denn die Veranstaltung findet nicht umsonst in der Chemnitz-Arena statt, die 7000 Sitzplätze bietet. Die Masse setzt unheimliche Kräfte frei, ob nun im Namen einer Ideologie oder eines Gottes. Die Veranstaltungen in den Kirchen Chemnitz’ sind indes eingeschränkt.
Was mich also eigentlich stört, ist der Dogmatismus dieser Veranstaltung. Man kann an einen Gott Glauben, der über den Dingen steht. Man kann auch gern denken, dass der Glaube an diesen Gott den einzigen Weg zur Erlösung darstellt. Doch man hat gottverdammt nochmal die Öffentlichkeit damit in Ruhe zu lassen und sie nicht als eine Ansammlung von a priori verlorenen Schäfchen zu halten.
Die Gesellschaft kann sich dadurch schützen, indem sie so etwas einfach nicht unterstützt. Das ist hier nicht geschehen, neben der nicht unerheblichen finanziellen Unterstützung steht auch die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig mit ihrem Namen dahinter. Und Sparkassen wie die Stadtwerke Chemnitz stehen als Sponsoren daneben.
Doch vor sollte sich die Kirche, indem sie nicht dem zweifelhaften Charakter amerikanischen Evangelikalismus nacheifert, selbst schützen.

Ist das mit diesen Missions-Smarts nicht ein bisschen bescheuert? - ja schon... aber es ist doch für Christus!